Auszeit! Der Perlinger-Weg ins Glück

Schon in ganz frühen Jahren ist für Sissi Perlinger klar, dass es für sie im Leben nur Eines gibt: singen, tanzen, sich verkleiden und selber geschriebene Texte rezitieren. Was ihre Umwelt zuerst als Spleen abtut, entpuppt sich als großes Talent und eröffnet ihr den Weg ins Show Business und zu einer Karriere als Tänzerin, Sängerin, Kabarettistin und Schauspielerin. Doch Sissi gibt zuviel Gas, überfordert sich und wird von einem schweren Tinnitus dazu genötigt inne zu halten und sich mit ihrem Leben und ihrer frühkindliche Prägung auseinander zu setzen. In „Auszeit! Der Perlinger-Weg ins Glück“ erzählt die beliebte Entertainerin in theatralisch überspitzter und humorvoll- kabarettistischer Weise die wahre Geschichte ihres Lebens. 

Buchauszug:

Sissi als Baby

Meine Mama hat oft erzählt, dass ich schon als ganz kleiner Säugling in der Wiege nie geweint, sondern stundenlang vor mich hin gesungen habe. Ich war in meiner Wickelgruppe sozusagen die „Windel-Callas.“ 

Mir gefällt diese Geschichte, denn sie zeugt von meiner grundsätzlich positiven Einstellung dem Leben gegenüber, 

die ich mir bis zum heutigen Tage erfolgreich bewahren konnte, wenn man mal von dem krisenbedingten Aussätzer absieht, der mich zwischendurch ereilt hat, aber dazu kommen wir noch. 

Ich war schon als Baby Archetyp Showgirl, Aszendent Zirkuspferdchen. Vor Kurzem fand man eine alte, wackelige, Schwarz-Weiß-Filmaufnahme von mir, in der ich eine Papiertüte nehme, sie mir direkt auf den Kopf setze, leicht schief zurechtrücke und dann in die Kamera grinse. Fingerfarben und Filzstifte wurden von mir sofort als Make-up umfunktioniert und ich habe schon damals nur vorm Spiegel gesessen ... stehen konnte ich ja noch nicht. 

Als ich drei war, hat meine Mama mir einen genialen Bärchenanzug genäht, mit Ohren, eingearbeiteten Füßchen und Puschelschwanz. Und das alles nicht in langweiligem Bärchenbraun, sondern im Leopardenmuster, das prägt. 

Sie ist eine großartige Kostümdesignerin und hat mir viel Talent in die Wiege gelegt. Von diesem Outfit perfekt unterstützt, habe ich dann auf den Fliesen in der Küche steppen geübt, in die Klobürste gesungen und mit Suppenlöffeln auf unseren Kochtöpfen getrommelt bis … mein Vater völlig entnervt aussgezogen ist.

So wurde ich bereits im zarten Alter von drei Jahren vom ersten Mann verlassen. Der zweite Mann in meinem Leben, mein Stiefvater, war Gott sei Dank schwerhörig. ...nein, ein Scherz, der konnte damit umgehen eine kreative Tochter zu haben, weil er selber Vollblutkünstler war. Meine Eltern haben mir unheimlich den Rücken gestärkt und das war auch gut so, 

denn während meiner gesamten Teenagerzeit, wenn ich mit bodenlangem Cape und Federhut in die Schule gegangen bin, haben alle, immer, nur  gesagt: „Boo ey das nervt, musst du immer singen?“ „Genau! Kannst de dich nicht mal normal benehmen, so wie wir.“ Alle trugen damals Parker, Boots und Jeans mit Schlag; ich bin mit meinen selbst beklebten 6 Zentimeter hohen Leo-High-Heels rum gelaufen. 

Ich lebte sozusagen auf „hohem Fuße“, sozial gesehen, kroch ich jedoch auf dem Zahnfleisch daher. Sogar meine Mutter hat mich mal im Supermarkt zwischen den Regalen angefaucht: „Ich möchte nicht, dass du immer so angibst!“ – „Bitte??“ 

Ich hatte einen Tanzschritt geübt, ganz für mich.

Als ich mich umschaute, weil ich sehen wollte, ob es vielleicht wahr sein könnte, dass ich unbewusst versucht hatte, Aufmerksamkeit zu erregen, war da kein Mensch! Der Tengelmann war wie immer gähnend leer. Ich hatte es für mich getan, ich schwöre es, einfach nur so zum Spaß und weil ich schon damals meine Lebenszeit gern zum Üben genützt habe.

Regelmäßiges Üben ist meine Türe zum Glück 

KLEINER TIPP AM RANDE: Nichts macht glücklicher, als ein kontinuierlicher Prozess, der dir die Möglichkeit gibt, etwas wachsen zu sehen. Ich habe in meinem Leben unendlich viele Kurse besucht, das Wichtigste ist das private, regelmäßige Üben. Ich mache das auch in einer Ecke am Flughafen. Lass die Blicke der anderen einfach an dir abgleiten, so kann man eine Wartezeit viel sinnvoller nützen.

Schon bemerkenswert, wie deutlich sich meine „Berufung“ bereits in frühesten Kindertagen Raum verschafft hat, und trotzdem hatte keiner ein Auge dafür. Ich fühlte mich von meiner Umgebung missinterpretiert und unverstanden.

Meine Eltern arbeiteten beide beim Fernsehen und hatten mir aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen glaubwürdig versichert, dass alle Schauspielerinnen ab einem gewissen Alter, als arbeitslose Alkoholikerinnen enden. Außerdem meinte meine Mama, alle Mädchen wollen Sängerin oder Tänzerin werden. Ich solle mir doch bitte ein originelleres Berufsziel ausdenken. 

Das hat natürlich tief gesessen, denn „unoriginell“ war das Letzte was ich sein wollte. So kam es, dass ich noch mit Anfang zwanzig durch die Stadt gelaufen bin und nicht wusste, wo ich hingehörte und was ich mal werden sollte. 

Ich kam mir vor wie ein sehr buntes hässliches Entlein, das nirgends seinesgleichen findet, und fühlte mich innerlich blockiert und verwirrt, bis zu dem Moment, in dem mein Unbewusstes ganz klar für mich gehandelt hat.

Meine Entdeckerin

Eines schönen Sommertages im Englischen Garten, in den frühen Achtzigerjahren lief mir Marianne Sägebrecht über den Weg. Sie war eine Bekannte meiner großen Schwester und quasi die Mutter der „Opera Curiosa“. Unter ihren Fittichen hatte sich eine beachtliche Kleinkunstszene in meiner damals sehr lebendigen „Weltstadt mit Herz“ entwickelt. Ich hatte zufällig mein schönstes gelbes Theater-Tanz-Kleid an, bin einfach direkt auf sie zugelaufen und habe sie gefragt, ob ich mal bei einem ihrer gemischten Abende auftreten könne. Sie lachte laut und meinte: „So, wie du ausschaust, bist du eine richtige Regenbogenprinzessin. Komm nächsten Freitag zu uns ins Hinterhoftheater, kriegst a Viertelstund.“

Immer wenn ich an jenen magischen Tag denke, an dem mein wahres Leben endlich beginnen konnte, bin ich dankbar dafür, dass ich damals nicht gezögert habe. Einen Moment der unentschlossenen Furcht, und mein Schicksal wäre vielleicht völlig anders verlaufen. Daher an dieser Stelle mein 

Tipp: 

Trainiere deine Spontaneität. Dem ersten Impuls zu folgen, ist der Schlüssel zur eigenen Intuition und somit auch zum Glück. Wenn die Gegenbetrachtungen im Kopf erst mal Oberhand gewonnen haben, traut man sich nicht mehr. Demnächst, wenn du Lust verspürst, einfach auf jemanden zuzugehen, tu es! Zähle eins, zwei und los. Selbst die schroffste Abweisung ist schneller verdaut, als eine vertane Lebenschance. Und in den meisten Fällen wirst du positiv überrascht sein, denn wahre Spontaneität hat viel mehr Charme, als ein mühsam vorbereiteter Auftritt. Du kannst üben, dich selbst ins kalte Wasser zu schubsen! Selbst wenn du pudelnass wieder rauskrabbeln musst, bist du trotzdem erfrischt.